Wie setze ich Barrierefreiheit im Web praktisch um?

Ab 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz auch für private Unternehmen. Viele Webseiten sind noch nicht vorbereitet – dabei ist die Umsetzung machbar, wenn man weiß, worauf es ankommt.

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) verpflichtet Unternehmen, ihre digitalen Angebote für alle Menschen nutzbar zu machen. Was zunächst nach einer weiteren bürokratischen Hürde klingt, ist in Wahrheit eine Chance: Barrierefreie Webseiten erreichen mehr Menschen, ranken besser bei Google und erfüllen gleichzeitig gesetzliche Anforderungen. Doch zwischen Theorie und Praxis liegen oft Welten.

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Was bedeutet Barrierefreiheit konkret für Ihre Webseite?

Barrierefreiheit im Web bedeutet, dass alle Menschen Ihre Inhalte wahrnehmen, bedienen und verstehen können – unabhängig von körperlichen oder technischen Einschränkungen. Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) orientiert sich an den internationalen WCAG-Richtlinien und definiert konkrete Anforderungen.

Für Ihr Unternehmen heißt das: Texte müssen für Screenreader verständlich sein, Kontraste ausreichend hoch, Formulare klar beschriftet und die Navigation per Tastatur möglich. Dabei geht es nicht nur um Menschen mit Behinderungen – auch ältere Nutzer, Menschen mit temporären Einschränkungen oder Nutzer in ungünstigen Situationen (etwa bei Sonnenlicht auf dem Display) profitieren davon.

Wen betrifft das BFSG und ab wann?

Das BFSG gilt seit Juni 2025 für Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen für Verbraucher anbieten. Betroffen sind insbesondere Onlineshops, Buchungssysteme, Banking-Anwendungen und andere digitale Services. Kleine Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz unter zwei Millionen Euro sind zwar teilweise ausgenommen, doch die Grenzen sind fließend.

Wichtig: Auch wenn Ihr Unternehmen formal nicht unter das BFSG fällt, können Ihre Kunden Barrierefreiheit einfordern. Zudem verbessert eine barrierefreie Webseite nachweislich die allgemeine Nutzererfahrung und Ihre Auffindbarkeit in Suchmaschinen. Ein barrierefreies Webdesign ist daher längst keine reine Pflichtübung mehr.

Praxisbeispiel: Ein Cottbuser Handwerksbetrieb macht seine Webseite zugänglich

Ein Sanitärbetrieb aus Cottbus hatte eine optisch ansprechende Webseite – doch bei genauerer Prüfung zeigten sich typische Barrieren: Die Telefonnummer war als Bild eingebunden und damit für Screenreader unsichtbar. Das Kontaktformular hatte keine eindeutigen Beschriftungen. Die Farbkontraste zwischen Text und Hintergrund lagen unter dem geforderten Mindestwert von 4,5:1.

Die Lösung war weniger aufwendig als befürchtet: Die Telefonnummer wurde als Text mit klickbarem Link hinterlegt. Formularfelder erhielten sichtbare Labels statt Platzhalter-Texte. Die Farbpalette wurde leicht angepasst, ohne das Corporate Design zu verändern. Zusätzlich wurden Überschriften semantisch korrekt strukturiert und Alternativtexte für alle Bilder ergänzt. Das Ergebnis: Eine Webseite, die nicht nur gesetzeskonform ist, sondern auch besser konvertiert – weil sie für alle einfacher zu bedienen ist.

Philipp Ramsch, Webdesign SEO Cottbus Experte sitzt auf Stuhl mit gelbem Hintergrund und präsentiert digitale Sichtbarkeit

Die wichtigsten technischen Anforderungen im Überblick

Für die praktische Umsetzung sollten Sie folgende Punkte priorisieren:

Wie Sie die Umsetzung angehen – ohne sich zu verzetteln

Der Gedanke, die gesamte Webseite auf einmal umbauen zu müssen, schreckt viele Unternehmen ab. Dabei ist ein schrittweises Vorgehen völlig legitim: Beginnen Sie mit den meistbesuchten Seiten und den offensichtlichsten Barrieren. Nutzen Sie kostenlose Tools wie den WAVE-Browser-Test oder den Accessibility-Checker in den Browser-Entwicklertools, um erste Probleme zu identifizieren.

Wichtig ist, dass Sie Barrierefreiheit von Anfang an mitdenken – gerade bei Neugestaltungen oder Relaunches. Wenn Sie eine neue Webseite erstellen lassen, sollte Barrierefreiheit Teil des Briefings sein, nicht ein nachträglicher Aufwand.

Die Investition lohnt sich mehrfach: Sie erreichen eine breitere Zielgruppe, erfüllen gesetzliche Anforderungen und verbessern gleichzeitig SEO und Nutzererfahrung. Wer heute barrierefreies Webdesign als lästige Pflicht abtut, verschenkt Potenzial – und riskiert rechtliche Konsequenzen.

Sie sind unsicher, wo Sie bei Ihrer Webseite ansetzen sollen? Gerne unterstütze ich Sie mit einer unverbindlichen Ersteinschätzung. Nehmen Sie Kontakt auf – gemeinsam finden wir den passenden Weg für Ihr Unternehmen.